Der Dettinger Rathausbrunnen ist noch jung. Er ist ein Kind der Zeitenwende am Ende des 20. Jahrhunderts. Zugleich ist er zeitlos - er will Geschichten erzählen.
Geheimnisvoll verspielt deutet er Mythen und Symbole an, verweist auf dies oder jenes und gibt der Fantasie des Betrachters freien Lauf. Ernst und heiter zugleich.
Er erzählt vom Dorf - wie es früher hier war und wie es jetzt ist. Von den vier Brücken über die Lauter und vom "alten Flecken", der zur "neuen" Siedlung Guckenrain am Fuße der Teck seine soziale Verbindung gefunden hat. Trotz der Trennung durch die
Bundesstraße. Als Symbol des Brückenschlags sind die Granitplatten unschwer zu erkennen.
Im Brunnenhalbrund mit Blick auf das Rathaus verharrt die stolze Stierfamilie auf ihren Granitquadern.
Zeus selbst war es, der die Gestalt und damit die Kraft des Stieres annahm, um die schöne Europa verführen zu können.
Ist es die Kraft des Bürgersinns, der sich hier ein Stelldichein gibt?
Aber es geht auch ganz konkret. Die Rinderzucht der Dettinger Bauern hat eine lange Tradition. Besonders die Dettinger Farren waren Anfang des 20. Jahrhunderts begehrt und über die Landesgrenzen hinaus bekannt.
Gegenüber den Stieren steht ein Schaf auf der Brunnenmauer, nicht abstrahiert überzeichnet, sondern geradezu naturalistisch. Ein offensichtlicher Verweis auf die lange Schäfertradition im Albvorland. Die Künstler formten dieses Schaf ohne Ecken und Kanten als
Reittier für Kinder.